Zwei Wochen voller Emotionen, sportlicher Höchstleistungen und historischer Momente: Vom 21. bis 28. September 2026 traf sich die Weltelite des Akrobatikturnens in Pesaro. Mittendrin eine Schweizer Delegation, die nicht nur mit starken Leistungen überzeugte, sondern eindrücklich zeigte, welche Entwicklung das Schweizer Akrobatikturnen in den vergangenen Jahren genommen hat.
Nach einer bereits spannenden und erfolgreichen ersten Woche mit den Juniorinnen und Junioren ging es in der zweiten WM-Woche nicht weniger aufregend weiter. Für die Schweiz standen Emma Fischler, Fabia Schloss und Alyssia Solidoro auf der Matte. Das Seniorinnen-Trio des Regionalen Leistungszentrum Ost (RLZ Ost) reiste gemeinsam mit seiner Trainerin Joana Patrocínio sowie den beiden World-Gymnastics-Kampfrichterin Dominique und -Kampfrichter Noah nach Pesaro.
Schon nach der Anreise ging es direkt zur Akkreditierung und anschliessend ins Hotel. Viel Zeit zum Ankommen blieb nicht: Bereits am Dienstag, 22. September, stand das erste Podiumstraining auf dem Programm.
Gemeinsam mit einigen der stärksten Nationen der Welt konnten Emma, Fabia und Alyssia zum ersten Mal echte WM-Luft schnuppern. Die Atmosphäre war hervorragend, die drei fühlten sich sichtbar wohl und absolvierten ihr Training souverän. Auch der zweite Trainingstag verlief nach Plan. Elemente, Abläufe und Zusammenspiel passten – und Trainerin Joana blickte zufrieden und zuversichtlich auf die bevorstehenden Wettkampftage.
Bereit für die Weltbühne
Dann war er da: der erste Wettkampftag.
Monate der Arbeit lagen hinter ihnen. Unzählige Trainingsstunden, Wiederholungen, Herausforderungen und gemeinsame Momente. Nun galt es, all das genau dann abzurufen, wenn es zählt. Emma, Fabia und Alyssia waren bereit.
Den Auftakt machte ihre Dynamic-Übung – und vom ersten Moment an präsentierten sie sich souverän, sicher und selbstbewusst. Es wirkte beinahe selbstverständlich, mit welcher Ruhe die drei ihre Elemente auf der grössten Bühne ihres Sports zeigten.



Dann der Blick auf die Anzeigetafel: 26.600 Punkte.
Eine fantastische Wertung bei einer Weltmeisterschaft und der perfekte Auftakt in diesen Wettkampf. Die Freude war riesig – und gleichzeitig war klar: Das sollte erst der Anfang sein.
Balance – eine Übung für die Geschichtsbücher
Am folgenden Tag wartete ihre Paradedisziplin: Balance.
Schon das Einwärmen verlief hervorragend. Ruhig und fokussiert bewegten sich die drei von Boden zu Boden. Dann kam der Moment: ein letztes Durchatmen, noch einmal Energie sammeln, eine letzte Umarmung mit Trainerin Joana – und hinaus auf die Wettkampffläche.
Der Speaker kündigte das Schweizer Trio an und die Halle bebte.
Die Schweizer Fans erhoben sich, jubelten und verwandelten die Arena in ein rot-weisses Meer. Wie bereits während der Junioren-Woche hing die riesige Schweizer Flagge in der Halle. Eine Atmosphäre, die kaum in Worte zu fassen war.
Dann erklang der erste Ton. Ausstrahlung. Synchronität. Teamgeist. Präzision. Vertrauen.


Emma, Fabia und Alyssia zeigten eine aussergewöhnliche Übung. Keine sichtbare Unsicherheit, kein Zögern – dafür Ruhe, Ausdruck und beeindruckende Qualität in den Elementen. Sie präsentierten sich auf höchstem internationalem Niveau und vertraten die Schweiz mit Stolz und Klasse.
Nach dem letzten Ton fielen sich die drei in die Arme. Sie wussten: Sie hatten ihre Leistung abgerufen.
Dann erschien die Wertung: 27.860 Punkte!
Der Jubel kannte keine Grenzen. Und wenig später wurde aus Hoffnung Gewissheit:
FINALE – BALANCE.
FINALE – COMBINED.
Zwei WM-Finals für Emma, Fabia und Alyssia.
Ein aussergewöhnlicher Moment für die drei Athletinnen, ihre Trainerin Joana, ihr gesamtes Umfeld – und für das Schweizer Akrobatikturnen.
Zwei WM-Finals an einem Tag
Der letzte Wettkampftag begann ruhig. Über dem Meer von Pesaro ging die Sonne auf, während sich Emma, Fabia und Alyssia und ihre Trainerin Joana auf ihre ganz eigene Weise auf einen Tag vorbereiteten, den wohl niemand so schnell vergessen würde.
Den Anfang machte das Combined-Finale.
Als dritte Formation gingen die Schweizerinnen an den Start. Die Einwärmphase verlief souverän. Dann hiess es erneut: durchatmen, fokussieren – und geniessen.
Die Schweizer Fans sorgten wieder für eine Atmosphäre wie aus dem Bilderbuch. Mit dem ersten Ton war die Präsenz der drei bis in die hintersten Reihen der Halle zu spüren.
Emma, Fabia und Alyssia präsentierten ihre Elemente mit einer Selbstverständlichkeit und Reife, als gehörten WM-Finals längst zu ihrem Alltag. Ein Element folgte dem nächsten, getragen von der Energie des Publikums – bis zur letzten Pose. Wieder hatten sie geliefert.



Doch Leistung im Spitzensport bedeutet weit mehr, als Elemente technisch korrekt abzurufen. Es bedeutet auch, mit Erwartungen, eigenen Ansprüchen, Hoffnungen und dem enormen Druck eines WM-Finals umzugehen. Genau diese mentale Stärke zeigten die drei eindrucksvoll.
Die Wertung: 27.390 Punkte.
Und damit Rang 7 im Combined-Finale der Weltmeisterschaften.
Das siebtbeste Seniorinnen-Trio der Welt. Ein Resultat, das für sich spricht – und gleichzeitig für all die Arbeit steht, die niemand sieht: die unzähligen Trainingsstunden, die schwierigen Tage, die Rückschläge, die Wiederholungen und das Vertrauen in einen gemeinsamen Weg.
Ein grosses Lob gebührt dabei auch Trainerin Joana und ihrem Trainerteam, die das Trio mit enormem Engagement, Ruhe und Hingabe auf diesen Moment vorbereitet hat.
Für sie stand nach dem Wettkampf nicht nur das Resultat im Vordergrund, sondern vor allem der gemeinsame Weg dorthin. Sie zeigte sich unglaublich stolz darauf, wie selbstbewusst und entschlossen die drei vom ersten Moment an aufgetreten waren. Zwei starke Qualifikationsübungen und der Einzug in gleich zwei Finals bestätigten die intensive gemeinsame Arbeit.
Noch wichtiger war für Joana jedoch die Art und Weise, wie das Team diese WM vorbereitet und jede Herausforderung gemeistert hatte: Sie vertrauten ihrem Prozess, blieben fokussiert und waren genau dann bereit, ihre Leistung abzurufen, als es darauf ankam.
Die drei zeigten ihre Qualität, ihre Stärke und die Arbeit, die sie Tag für Tag investieren. Vor allem aber bewiesen sie eine beeindruckende Reife und ein tiefes Vertrauen ineinander.
Eine Reise, die Trainerin und Athletinnen mit vollem Herzen in Erinnerung behalten werden.
17:16 Uhr Balance – noch einmal alles
Nach diesem emotionalen Höhepunkt galt es, wieder Ruhe zu finden. Denn ein Finale wartete noch. Balance. Ihre stärkste Übung.
Um 17:16 Uhr erklangen ein letztes Mal ihre Namen durch die Arena:
„Emma Fischler, Fabia Schloss and Alyssia Solidoro, representing Switzerland.“
Noch einmal Schweizer Fahnen. Noch einmal tosende Unterstützung. Noch einmal diese unglaubliche Energie.
Ein letztes Mal durchatmen. Ein letztes Mal die Atmosphäre aufsaugen. Dann begann die Musik.
Und was folgte, war Akrobatikturnen auf höchstem Niveau.
Jeder Takt, jede Bewegung und jedes Element schienen ineinanderzugreifen. Die drei genossen sichtbar jeden Moment auf der Matte und zogen das Publikum in ihren Bann. Ihre Ausstrahlung, ihre Hingabe und ihre Sicherheit machten diese Übung zu etwas ganz Besonderem.





Dann war es vorbei. Ein letztes Winken ins Publikum. Strahlende Gesichter. Eine Umarmung.
Und warten. Schliesslich erschien die Zahl auf der Anzeigetafel: 28.110 Punkte.
Ein weiterer historischer Moment.
Es war nicht nur die persönliche Bestleistung von Emma, Fabia und Alyssia, sondern zugleich die höchste Wertung, die die Schweiz jemals an einer Weltmeisterschaft im Akrobatikturnen erreicht hatte.
Damit belegte das Trio Rang 8 im Balance-Finale und gehörte endgültig an dieser WM zur Weltspitze.
Besonders bemerkenswert: Die Schweizerinnen erzielten im gesamten Balance-Finale die beste Execution-Wertung – ein eindrucksvoller Beleg für die aussergewöhnliche Qualität und Sauberkeit ihrer Übung.
Wie hoch das internationale Niveau in Pesaro war, zeigte sich eindrücklich daran, dass selbst eine Gesamtwertung von 29.000 Punkten im Balance-Finale nicht für einen Podestplatz ausreichte. Die Abstände innerhalb des Finalfeldes waren enorm klein – zwischen dem Schweizer Trio und den Medaillenrängen lagen lediglich 0.91 Punkte.
Eine WM, die weit über Resultate hinausgeht
Die Stimmung während dieser Weltmeisterschaften war aussergewöhnlich, das sportliche Niveau beeindruckend hoch. Gleichzeitig erhielt die Schweizer Delegation von vielen Seiten Anerkennung und grosses Lob für die Entwicklung und die sichtbaren Fortschritte des Schweizer Akrobatikturnens.
Die Resultate von Pesaro sind deshalb mehr als Zahlen auf einer Rangliste. Sie stehen für einen Weg. Für Entwicklung. Für Vertrauen. Für Zusammenarbeit. Und für den Mut, langfristig an etwas zu glauben.
Die Junioren und Senioren WM 2026 in Pesaro wurden zur erfolgreichsten Junioren-Weltmeisterschaft und Weltmeisterschaft in der bisherigen Geschichte des Schweizer Akrobatikturnens.
Was die Schweiz während dieser beiden Wochen gezeigt hat, bestätigt: Der eingeschlagene Weg stimmt. Doch solche Erfolge entstehen niemals allein.
Es braucht Athletinnen und Athleten, die bereit sind, jeden Tag an ihre Grenzen zu gehen. Coaches, die mit Fachwissen, Leidenschaft und Geduld begleiten. Kampfrichter:innen und Betreuende, die Verantwortung übernehmen. Eltern und Familien, die unzählige Stunden investieren und ihre Kinder auf diesem Weg unterstützen. Fans, die eine Halle zum Beben bringen und ein zu Hause an einem anderen Ort schaffen. Und einen Verband sowie Vereine und Leistungszentren, die gemeinsam die Voraussetzungen schaffen, damit Entwicklung möglich wird.
Es braucht jeden Einzelnen. Und vor allem braucht es eines:
Zusammenarbeit – Hand in Hand und auf Augenhöhe.
Wenn all diese Menschen gemeinsam an einem Strang ziehen, können aus Träumen Ziele werden. Und aus Zielen Momente wie jene in Pesaro.
Wir verneigen uns vor den Leistungen unserer Athletinnen und Athleten, unserer Coaches und aller Menschen, die diese Reise möglich gemacht haben.
Danke für euren Mut.
Danke für eure Leidenschaft.
Danke für euren unermüdlichen Einsatz.
Danke für diese unvergessliche WM-Reise.
Und ganz besonders:
Herzliche Gratulation an Emma, Fabia und Alyssia sowie ihre Trainerin Joana zu einer Weltmeisterschaft, die Schweizer Akrobatikgeschichte geschrieben hat.
Pesaro 2026 wird uns noch lange in Erinnerung bleiben. Und zum Glück müssen wir nicht allzu lange warten:
Wir sehen uns bereits im März wieder. Gleicher Ort. Neue Ziele. Gleiche Leidenschaft.
